• Am Ende der Lebensdauer

    RÜCKBAU UND RECYCLING

    Ein Rotorblatt wird mit einer Säge zerlegt.

RÜCKBAU UND RECYCLING

Mit zunehmendem Alter vieler Windenergieanlagen rückt das Thema Rückbau und Recycling immer stärker in den Fokus. Während die meisten Anlagenteile recycelt und als Sekundärrohstoffe wiederverwertet werden können, stellen insbesondere Rotorblätter eine Herausforderung dar. Klare rechtliche Vorgaben und innovative Recyclingverfahren sind entscheidend, um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft für Windenergieanlagen zu gewährleisten.

Ende 2025 umfasste der bundesweite Bestand 29.226 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 68 Gigawatt. Etwa die Hälfte haben das Alter von 15 Jahren überschritten, und etwa ein Drittel dieser Anlagen ist sogar älter als 20 Jahre. Seit 2020 läuft die Förderung für ältere Anlagen sukzessive aus. Und auch wenn sich viele der Windenergieanlagen im Weiterbetrieb befinden, wird ein großer Anteil des Bestandes in absehbarer Zeit aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen stillgelegt werden, womit auch das Thema Rückbau und Recycling zunehmend in den Fokus rückt.

Rechtliche Vorgaben

Eine allgemeine bundesrechtliche Rückbaupflicht für Windenergieanlagen gibt es bislang nicht. Für Vorhaben im Außenbereich regelt jedoch seit 2004 das Baugesetzbuch, dass Anlagen nach dauerhafter Aufgabe zurückzubauen und Bodenversiegelungen zu beseitigen sind. Hierzu muss bei Genehmigungserteilung eine Verpflichtungserklärung abgegeben werden, die mit einer nach Landesrecht vorgesehene Baulast oder in anderer Weise abzusichern ist. Bei der Höhe der Sicherheitsleistung gibt es aufgrund der unterschiedlichen Landesgesetze keine einheitliche Vorgehensweise. Sofern die ausgedienten Anlagen oder ihre Komponenten nicht weiterverwendet werden können, sind sie als Abfall gemäß den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zu entsorgen.

Rückbau und Recycling in der Praxis

Komponenten einer Windenergieanlage sind neben dem Fundament und dem Mast ein Rotor mit Nabe und Rotorblättern sowie einer Maschinengondel, die den Generator und in den meisten Fällen ein Getriebe enthält. Weit mehr als 90 Prozent einer Anlage lassen sich recyceln und sind als Sekundärrohstoffe wiederverwertbar.

Der Betreiber ist verpflichtet, den Rückbau bei der zuständigen Baubehörde anzuzeigen und die Anlage im Marktstammdatenregister auf „endgültige Stilllegung“ zu setzen. Physisch wird die Anlage durch Trennung vom Stromnetz stillgelegt. Anschließend werden Öle, Fette und Schmiermittel entnommen und nach den Vorgaben der Altölverordnung ordnungsgemäß verwertet oder entsorgt. 

Im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist es sinnvoll, einzelne Komponenten oder sogar komplette Anlagen weiterzuverwenden. Der Verkauf rückgebauter Windenergieanlagen auf dem Zweitmarkt ist meist auch wirtschaftlich attraktiv. 

Die Rotorblätter werden mithilfe eines Krans demontiert. Die Zerlegung erfolgt am Boden mittels eingehauster Sägen, um ein Entweichen von Fasern und Stäuben in die Umgebung zu verhindern.

Die Segmente von Stahl- oder Gittertürmen sowie auch Betonhybridtürmen werden i. d. R. schrittweise mechanisch demontiert. Selten ist bei Hybridtürmen eine Sprengung erforderlich. Die Fundamente werden ebenfalls meist vollständig zurückgebaut. Die Türme und Fundamente lassen sich problemlos und vollständig recyceln. So wird der Beton zerkleinert und im Straßen- und Wegebau verwendet. Der Stahl wird der Stahlproduktion zugeführt.

Die Rotorblätter bestehen in der Regel aus faserverstärkten Kunststoffen sowie aus Harzen und Klebern. Bei älteren Anlagen wurden größtenteils Glasfasern verwendet (GFK). Für Rotorblätter der jüngeren Generation werden seit etwa 2010 auch Carbonfasern eingesetzt (CFK). Ein Großteil des GFK-Materials wird thermisch verwertet: Während die Epoxidharze die Prozesswärme liefern, ersetzen die Glasfasern beispielsweise die für die Zementherstellung notwendigen Zuschlagstoffe. GFK-Granulate können auch als Füll- oder Verstärkungsstoffe in Kunststoffprodukten, Bauelementen oder für Sportgeräte oder Fahrzeugteile eingesetzt werden. Auch die Rückgewinnung von Glasfasern ist grundsätzlich möglich, bislang aber meist unwirtschaftlich.

Aufwändiger ist die Verwertung der CFK-Segmente. Hier werden spezielle Verfahren zur Faserrückgewinnung durch Pyrolyse angewandt, jedoch besteht noch Forschungsbedarf bei der Abtrennung und Wiederverwertung. Zahlreiche Forschungsprojekte arbeiten daran, in den 2030er-Jahren industrielle Lösungen anbieten zu können. Parallel werden neuartige, reversible Harzsysteme und alternative Fasertypen entwickelt, die sich am Lebensende leichter trennen und recyceln lassen, um Windenergieanlagen zukünftig vollständig in ein zirkuläres Wertschöpfungssystem zu integrieren.

Veröffentlichungen

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Claudia Bredemann
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