Die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) führte im Frühjahr 2022 eine Befragung bei Projektentwicklern durch, in der zum einen ermittelt werden sollte, welche Gründe der Realisierung von genehmigten Windenergievorhaben an Land entgegenstehen oder aber im Vorfeld bereits dazu führten, dass die immissionsschutzrechtliche Genehmigung nicht erteilt wurde bzw. dass der Genehmigungsantrag vom Vorhabenträger zurückgezogen wurde (Teil 1). Die Ergebnisse aus diesem Umfrageteil wurden im Juni 2022 unter dem Titel „Hemmnisse beim Ausbau der Windenergie an Land“ veröffentlicht.
Im zweiten Teil der Umfrage wurde abgefragt, welcher zeitliche Aufwand in den verschiedenen Entwicklungsphasen eines Windenergieprojektes erforderlich ist. Diesbezüglich hatte die FA Wind erstmals Anfang 2015 eine Studie2 veröffentlicht, in der typische Verfahrenslaufzeiten für den Planungs- und Genehmigungsprozess von Windenergieanlagen anhand einer Branchenumfrage ermittelt wurden. Seither wurden viele Restriktionen verändert, wodurch die einzelnen Verfahrensschritte meist komplexer und dadurch mutmaßlich auch zeitintensiver geworden sind. Insbesondere Genehmigungsverfahren sind derzeit in aller Munde, wenn es darum geht nach Wegen zu suchen, wie sich der Ausbau der Windenergienutzung beschleunigen lässt. Auf die Frage, wie lange es heutzutage dauert, bis ein Windrad sämtliche immissionsschutzrechtlichen Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, gibt es zwar viele Meinungen, aber kaum empirische Erkenntnisse. Um diese Wissenslücke zu schließen, wurde der Fokus der vorliegenden Ausarbeitung auf die Dauer von Genehmigungsverfahren gelegt. In jüngerer Zeit wird zudem häufiger über Hürden bei der Anlagenrealisierung berichtet, etwa die zunehmende Komplexität bei der Organisation und Durchführung von Schwerlasttransporten auf der Straße oder aber Lieferkettenprobleme für einzelne Anlagenkomponenten infolge der globalen COVID-19-Pandemie. Mit der Analyse soll auch hier mehr Licht ins Dunkel gebracht werden, indem aufgezeigt wird, wie viel Zeit in den letzten Jahren typischerweise nach Erhalt der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung noch aufgewandt werden musste, bis die Windenergieanlagen den regulären Leistungsbetrieb aufnehmen konnten.