Worum geht es in der Publikation?
Die Publikation fasst zentrale Ergebnisse des Fachaustauschs „Gemeinsam Fläche machen!“ zusammen. Rund 100 Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft, Kommunen, Verbänden und Wirtschaft diskutierten im Dezember 2025 in Berlin, wie Photovoltaik‑Freiflächenanlagen (PV‑FFA) erfolgreich und naturverträglich umgesetzt werden können.
Warum ist der Ausbau von Photovoltaik‑Freiflächenanlagen wichtig?
Deutschland benötigt 400 GW Solarleistung bis 2040. PV‑Freiflächenanlagen gewinnen an Bedeutung, weil sie hohe Stromerträge liefern und technisch effizienter werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flächennutzung, Naturschutz und lokale Akzeptanz.
Wie entwickelt sich der Ausbau von PV‑Freiflächenanlagen aktuell?
Der Zubau steigt stark. 2025 wurden bereits knapp 7 GW PV‑FFA errichtet. Ausschreibungen sind das wichtigste Steuerungsinstrument, häufig überzeichnet und mit wachsenden Volumina. Trotz dieser Dynamik ist für die EEG‑Ziele ein jährlicher Zubau von fast 14 GW notwendig.
Welche Flächen werden für PV‑Freiflächenanlagen genutzt?
Rund 70 % der PV‑FFA stehen auf landwirtschaftlichen Flächen, ein Viertel auf bebauten Konversionsflächen. Der Trend geht klar zu Böden mit geringerem Ertragspotenzial. Neue Anlagen erreichen häufig mehr als 1 MW pro Hektar.
Welche Kriterien unterstützen Kommunen bei der Flächenauswahl?
Regionale Planungsgemeinschaften entwickeln Kriterienkataloge aus Positiv‑, Negativ‑ und Einzelfallkriterien. Sie erleichtern Gemeinden die Entscheidung und fördern einen natur‑ und raumverträglichen Ausbau. Tools wie „EmPowerPlan“ zeigen Konfliktpotenziale bereits in frühen Planungsphasen.
Wie lassen sich PV‑Freiflächenanlagen naturverträglich gestalten?
Der Vortrag eines Projektentwicklers zeigt: PV‑FFA bieten ökologische Chancen – etwa Erosionsschutz, Humusaufbau und Lebensraumstrukturen. Herausforderungen bestehen in fehlenden Förderinstrumenten für Biodiversitätsmaßnahmen und unterschiedlichen Bewertungsansätzen der Länder. Technische Entwicklungen wie Drohnen oder Speichersysteme verbessern künftig Planung und Betrieb.
Wie steht die Bevölkerung zu PV‑Freiflächenanlagen?
Laut einer repräsentativen Umfrage bewerten 71 % den Ausbau von PV‑FFA als wichtig. 66 % akzeptieren Anlagen im eigenen Umfeld. Das befürchtete „NIMBY“-Phänomen tritt nicht auf. Zustimmung entsteht insbesondere durch Energieunabhängigkeit, Versorgungssicherheit und lokale wirtschaftliche Vorteile.
Welche wirtschaftlichen Potenziale haben Kommunen?
Regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien lag 2023 bei mindestens 3,5 Mrd. EUR. Bis 2033 kann sie auf über 8 Mrd. EUR steigen. Voraussetzung sind regionale Eigentumsstrukturen, kommunale Beteiligung und aktive Gestaltung vor Ort.
Was sind Erfolgsfaktoren für Kommunen bei der Umsetzung?
Wesentliche Faktoren sind Klarheit über das Planungsrecht, eine aktive Flächenprüfung, Wissen über kommunale Einnahmemöglichkeiten, transparente Kommunikation sowie ein effizientes internes Beteiligungsmanagement.
- Kenntnis der bau‑ und planungsrechtlichen Rahmenbedingungen
- Transparente Kriterien zur Standortwahl
- Nutzung von Einnahmen aus § 6 EEG oder Landesbeteiligungsgesetzen
- Frühe Einbindung von Projektträgern und lokaler Öffentlichkeit
- Klare Verantwortlichkeiten in der Verwaltung
Wie kann Beteiligung vor Ort die Akzeptanz erhöhen?
Frühzeitige Information, direkte Ansprechpartnerinnen und transparente Kommunikation sind zentral. Finanzielle Beteiligungsmodelle wie Bürgerenergiegesellschaften oder Nachrangdarlehen schaffen Identifikation. Ergänzend stärken lokale Maßnahmen – etwa Aufträge an regionale Firmen oder Förderungen für Vereine – das Vertrauen in Projekte.
Welche Erfahrungen hat die Gemeinde Büchel gemacht?
Büchel hat eine eigene PV‑FFA geplant, gebaut und in Betrieb genommen. Die Wertschöpfung bleibt vollständig in der Gemeinde. Entscheidend waren transparente Kommunikation, hoher Handlungsdruck bei öffentlichen Einrichtungen und engagierte ehrenamtliche Projektleitung.
Welche Konflikte zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Energiewirtschaft bestehen?
Flächenkonkurrenzen, regionale Unterschiede bei Bodenqualitäten und die Frage der Nachnutzung gehören zu den zentralen Herausforderungen. Konsens besteht darin, dass frühe Dialogformate, klare Kriterien und Berücksichtigung der Vornutzung entscheidend sind, um tragfähige Lösungen zu finden.